Resümee und Blick in die Zukunft

Liebe Freundinnen und Freunde, besonders die Grünen Freunde aus Rottweil, Tuttlingen und Sigmaringen,

Vor fast zwei Wochen fand die Nominierungsveranstaltung in Spaichingen zur Bundestagswahl statt. Zeit für mich, ein Stück weit Resümee zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Ein bisschen traurig bin ich schon, dass ich nicht Bundestagskandidatin für Rottweil-Tuttlingen sein kann, aber jede Medaille hat zwei Seiten. Und ich weiß, dass ich meinen politischen Weg weiter gehen werde. In den letzten Monaten des innerparteilichen Wahlkampfes und in den letzten 3,5 Jahren meiner noch jungen Grünen-Mitgliedschaft habe ich sehr viel gelernt, von dem ich euch ein Stück weit berichten möchte.

Politische Arbeit bedeutet für mich Herzblut, Freude und Engagement – 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. Diese Freude spüre ich weiterhin und sie zeigt mir, dass ich weiter machen möchte und auch weiter machen werde. Seilschaften hatte ich keineswegs in Rottweil oder Tuttlingen, sondern eher im Gegenteil. Dafür brachte ich die Liebe für die Region, den ländlichen Raum und die wirkliche Freude am politischen Gestaltungswillen mit. Corona ließ mir leider relativ wenig Möglichkeiten für den persönlichen Kontakt mit dem Mitglieder*innen vor Ort , dafür habe ich nach und nach die Region und die Menschen kennen lernen dürfen: manche von euch persönlich und einige auch telefonisch (so wie es eben aus dem Nachbarkreisverband möglich war). In den Gespräche spürte ich viel Gestaltungsspielraum und gemeinsame positive, grüne Energie. Herzlichen Dank an dieser Stelle an die Menschen, denen ich begegnet bin, die mich begleitet haben und unterstützt haben.

Die ersten persönlichen Begegnungen hatte ich in Rottweil zur Nominierungsversammlung von Sonja Raisp. So viel positive politische Energie in diesem kleinen Raum (kurz vor Beginn des Corona Shut Downs) hatte mich im März vollends davon überzeugt, mich in Rottweil/Tuttlingen um die Kandidatur für den Bundestag zu bewerben.

Die weiteren persönlichen Begegnungen viele Wochen später im Rottweiler Badhaus waren zwar von Wenigen, aber sehr interessierten Besucher*innen und Diskussionen geprägt. So macht politischer Diskurs Spaß! Danke an die Organisatoren! Hier komme ich aber an einen Punkt aus meiner Rede in Rottweil, auf den ich etwas ausführlicher eingehen möchte:

Ich bin eine junge Frau, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, den Unrechtsstaat erlebt hat und die Demokratie extrem zu schätzen weiß. Jeder der von mir behauptet oder glaubte, dass ich die DDR beschönige, ist auf dem Holzweg! Sollte jemals der Eindruck entstanden sein, sei er hier und jetzt korrigiert.

Und dieses ungerechte Behandeln, die Chancenlosigkeit vieler Menschen dort, ist mein stetiger Motor: denn Demokratie muss jeden Tag und immer wieder neu belebt werden. Mir liegt dabei auch der innerdeutsche Austausch am Herzen.

Ich wünsche mir, dass wir Grünen Integration nicht nur mit Migrant*innen aus Europa oder weltweit leben, sondern auch innerhalb von Deutschland Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen der Regionen entwickeln und leben. Wir müssen uns dafür interessieren, wo wir herkommen und wo wir hin wollen! Dafür braucht unsere Gesellschaft aufrichtiges und intensives Zuhören und die Zeit, und das Bewusstsein, diesen Weg zu gehen.

Menschen wie ich, die aus der ehemaligen DDR kommen, bringen eine besondere Geschichte mit, so wie z. B. viele der Migrantinnen und Migranten, die zu uns nach Deutschland kommen und bleiben wollen. Im Sommer der Wende 1989 war ich fast zwölf Jahre alt. Ein junges Mädchen mit einem Bewusstsein für die Dinge, die ich man als Kind eben erleben konnte. Von der Krippe bis zu den Jung- und Thälmannpionieren, wurde ich von Kameradschaftsgeist und einer gewissen ungerechten Behandlung der DDR geprägt, wenn ich eben nicht diesem Kameradschaftsgeist entsprach. Sogar meine Zeugnisse sprechen dieser Sprache. („…entspricht noch nicht den Anforderungen einer sozialistischen….“).

Die Öffnung der Grenzen 1989 und die Wiedervereinigung eröffnete mir als Jugendliche eine schier unglaubliche Individualität und Möglichkeit, mich selbst zu entfalten. Ich konnte ab sofort selbst entscheiden und spüren, was ich kann oder eben nicht kann. Ich habe selbst meine Ziele verwirklicht, ohne sozialistisch geprägte Hindernisse oder gar Eingreifen von außen.

Mein Umzug 1998 nach Baden-Württemberg war begleitet von meiner Motivation, mein eigenen Weg zu gehen. Weg aus dem Elternhaus, weg aus dem Sumpf der ehemaligen DDR, der krassen Jugendarbeitslosigkeit und der einhergehenden Perspektivlosigkeit vieler Menschen. So gab es viele Menschen, die zu DDR Zeiten ihren Mann oder ihre Frau standen und jetzt auf Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen angewiesen waren. Als Kinder dieser Nachwendegeneration konnten wir nichts für das Schicksal unserer Eltern, aber wir konnten unser eigenes Schicksal in die Hand nehmen. Und so ging ich nach Baden-Württemberg.

Und so dauerte es nicht lange und ich studierte berufsbegleitend (ich hätte das übrigens in der DDR niemals machen können) und ging meinen beruflichen Weg. Und so kämpfte ich mich zunächst allein, später mit meiner Familie und meinen drei Kindern durch den Alltag. Wie so viele andere halt auch.

Und mein innerlicher Drang mich fortzubilden, mich weiter zu entwickeln, etwas zu beeinflussen, zu bewegen, mitzubestimmen und etwas gemeinsam auf demokratische Art und Weise auf dem Weg zu bringen, ließ mich nicht los. So war und bin ich immer getrieben davon, demokratisch zu handeln mit dem Blick auf unsere aller Wohlergehen – von Mensch und Natur.

An dieser Stelle ist es mir noch mal wichtig zu adressieren, dass jegliche Unrecht gegenüber Jung oder Alt oder Mann oder Frau oder Divers keinen Platz in meinem Leben haben. Und keineswegs ist es möglich, mit mir darüber zu verhandeln.

Und genau das ist mein Motor, bei den Grünen in Baden-Württemberg aktiv zu sein. Ich will für Menschen einstehen, für die Natur einstehen und das immer mit dem Blick auf die Gerechtigkeit.

Um auf den Samstag vor anderthalb Wochen zurück zu kommen, mein politisches Leben geht weiter:

Die Landesarbeitsgemeinschaft für Wirtschaft, Finanzen und Soziales ist ein super wichtiges Feld, um Lösungen für genau diese Menschen und die Natur zu entwickeln und unser Wohlergehen auf dieser Erde auch in der Zukunft noch möglich zu machen.

Der Drang und Gleichbehandlung von Mann und Frau und diversen Menschen bleibt mir immer im Hinterkopf und trägt mein Handeln im Hier und Jetzt.

Unsere Demokratie, unsere Freiheit unser aller Menschenrechte müssen geschützt werden. Ich will meinen Beitrag dazu leisten!

Menschen, die dies nicht akzeptieren wollen, den wünsche ich ein gutes Leben. Alle anderen lade ich dazu ein, sich gern mit mir an demokratischen Prozessen auf allen Ebenen und in allen Lebenslagen zu beteiligen.

Demokratie lebt vom Mitmachen, vom gegenseitigen respektvollem Umgang und den daraus folgenden, positiven Veränderungen.

In diesem Sinne arbeite und netzwerke ich weiter für die Demokratie.

Eure

Ina Schultz

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